Schutzmann Streukooche

Johann Jakob Hehn

1863 – 1920

Städtischer Nachtwächter, königl.-preuß. Polizeibeamter klein, dick, mit einem „Edamer-Kies-Kopp“, auf dem er mühevoll einen viel zu kleinen Helm – Kuletschot genannt – balancierte, mit „Brutschnäuzer“, kleinem Knebelbart und treu blickenden „Hundeaugen“ – so spazierte der Vertreter preußischer Staatsmacht durch sein Revier, das einen großen Fehler aufwies. Es gab zu viele Kneipen, bei deren Anblick es dem Schutzmann Streukooche schwerfiel, weiterzugehen. Oft genug, wenn er einkehrte und ein paar „Droppe“ genommen hatte, wurde er gesprächig und dabei mußte er den Kneipengängern immer wieder die Geschichte erzählen, die ihm zu seinem Namen verholfen hatte.

Als früherer Nachtwächter, dem auch viele Hausschlüssel anvertraut waren, hatte Hehn, wie ihmmer, die Bäckergesellen und Lehrjungen im Severinsviertel geweckt. Als er einige Stunden später in einer Backstube aufkreuzte, um „e paar Dröppcher“ zu nehmen, verwechselte er in der Dunkelheit einen zur Ausdünstung im Hausflur stehenden Streuselkuchen mit der Fußmatte und schon war das Malheur passiert. „Et wor garnit esu vill verdorve“, erzählte Hehn immer wieder. Da sich die Geschichte in Windeseile rundsprach, nannten ihn fortan alle nur noch „Naakswächter Streukooche“.

Nach der Auflösung des städtischen Nachtdienstes 1894 wurde Hehn in den preußischen Polizeidienst übernommen. Als „Schutzmann Streukooche“ wurde er zur stadtbekannten Figur. „Hä wor ne dudgode Kääl“ sagten ihm noch nach Jahrzehnten alle nach, die ihn gekannt hatten.