Bolze-Lott

Scholastika Bolz

1825 – 1902
Kääzemöhn, Schmugglerin, Reisende

Schon in der Kinderzeit war sie – erblich vorbelastet durch Vater Matthias, der als Rheinarbeiter sein Geld nur gelegentlich nach Hause brachte – wegen ihres lockeren Mundwerks stadtbekannt. Die Ehe mit Johann Friedrich Steinhausen, einem gefürchteten Rhingroller, dauerte nicht lange. Als junge Wittfrau mußte sie für ihren Unterhalt selbst aufkommen.

Das tat sie auf mannigfaltige Weise. Zunächst als „Kääzemöhn“. Doch als die opferwilligen Kirchenbesucher dahinter kamen, daß ihre Kerzen nie angezündet wurden, blieb die Kundschaft bald aus. Als „et Lott“ mehr und mehr dazu überging, ihren Ärger über ausbleibende Kundschaft in Flüchen und unflätigen Redewendungen auszudrücken, wurde sie schon bald zum Ärgernis.

Als sie im Winter, auf kalten Steinen hockend, von einem Priester gefragt wurde: „Hatt ehr ald jett kräje?“, antwortete sie bissig: „Eja, en kahl Fott!“

Ein neues Betätigungsfeld fand sie in der Hafengegend. Am Rheintor wurde sie nach der Einführung der Mahl- und Schlachtsteuer 1856 zum Schrecken aller Zollbeamten, wenn sie – mit reichlich Schmuggelgut unter ihrer Krinoline versteckt – die Rheinbrücke passierte. Mehr als einmal kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, bei denen die Zöllner oft den kürzeren zogen.